so trotzt du dem regen

23. Oktober 2019
Fahrräder Fahrraeder

Na klar: Radeln im Sommer-Sonnenschein macht mehr Spaß. Aber es gibt keinen guten Grund, ein Schönwetter-Fahrer zu bleiben.

Na klar: Radeln im Sommer-Sonnenschein macht mehr Spaß. Aber es gibt keinen guten Grund, ein Schönwetter-Fahrer zu bleiben.

Es ist nasskalt, früh dunkel, die Wege glitschig – keine Frage, niemand würde in Herbst und Winter unter solchen Bedingungen zum Vergnügen mit dem Fahrrad losfahren. Andererseits kann jeder, der das Rad als Verkehrsmittel und/oder für seine Fitness nutzt, an fast allen Tagen im Jahr gut fahren. Vorausgesetzt, er hat die richtige Ausrüstung, hält sein Rad in Ordnung und ist etwas vorsichtiger als bei trockenem Wetter.


Funktionskleidung: praktisch (und nicht immer hässlich)

Über die letzten zehn, zwanzig Jahre ist Funktionskleidung für Outdoor-Aktivitäten immer besser geworden. Das Ziel – am Körper warm und trocken bleiben – wird inzwischen auch von Textilien erfüllt, die nicht 200 Euro und mehr kosten. Regenjacke und -hose sollen Regen abhalten und zugleich die Feuchtigkeit vom Körper nach außen transportieren. Das leisten die bewährten Gore-Tex-Gewebe (und ähnliche unter anderen Markennamen), aber auch andere Beschichtungen. Kombiniert mit Funktions-Unterwäsche, die ebenso atmungsaktiv ist, kann dich kaum noch ein Unwetter „bis auf die Knochen“ erschüttern.

 Natürlich ist hochwertige Funktionskleidung immer noch nicht ganz billig, aber eine lohnende Investition. Qualität zeigt sich im Detail, etwa bei der Versiegelung von Nähten und Reißverschlüssen. Unbedingt die Herstellerangaben für die Wäsche beachten: normale Waschmittel können die Funktion beeinträchtigen, dann werden Spezial-Waschmittel empfohlen.

Manche Radler glauben übrigens immer noch, mit Funktionskleidung könne man sich nicht öffentlich sehen lassen. Inzwischen gibt es aber so viele Anbieter und Stile, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Leuchtende Farben und Reflektionsstreifen sind in der dunklen Jahreszeit aber unbedingt zu empfehlen.

Warum spezielle Rad-Bekleidung?

Eine gute Regenjacke soll nicht nur trocken halten, sondern auch genug Bewegungsspielraum bieten. Fürs Fahrrad sind sie am Rücken und an den Ärmeln länger geschnitten, um bei der vorgebeugten Haltung alles abzudecken. Sehr praktisch sind dazu Überschuhe, die über die normalen Schuhe gezogen werden. Speziell Brillenträger sollten eine Mütze (noch besser: einen Helm) mit Kappe tragen, damit die Gläser trocken bleiben.

Meist sehr günstig, aber nicht eben praktisch sind Regen-Ponchos, die zeltartig über Körper und Lenker hängen. Außer auf Kurzstrecken wirst du daran auf Dauer nicht viel Freude haben.


Die Technik: Mehr Licht!

In Zeiten, als noch Seitenlauf-Dynamos Standard waren, war Licht bei schlechtem Wetter reine Glückssache – die Dinger rutschten durch, oder die Elektrik versagte gleich ganz. Zum Glück sind heute Batterie- oder Akkuleuchten zugelassen, und robuste Naben-Dynamos weit verbreitet. Natürlich muss die Beleuchtung gerade in Herbst und Winter einwandfrei funktionieren, einschließlich der vorgeschriebenen Reflektoren (vorne, hinten, Reifen, Pedale). Alles, was zusätzlich reflektiert und leuchtet (oder sogar blinkt), ist bei Autofahrern, die selbst nicht viel sehen, sehr willkommen.

Das heikle Thema Bremsen

Die Fahrrad-Technik hat auch beim Thema Bremsen große Fortschritte gemacht, die sind aber noch nicht sehr verbreitet. Trommelbremsen (die im Inneren der Nabe wirken) macht Regen gar nichts aus, modernen Scheibenbremsen auch nur wenig. Bei den herkömmlichen Felgenbremsen aber, wo zwei Gummiklötze ans Laufrad greifen, sinkt die Leistung bei Nässe oft erheblich.

Bremsen sind im trockenen Zustand am effektivsten. Scheibenbremsen lassen sich „trockenbremsen“, jeder Bremsvorgang entfernt einen Teil der Feuchtigkeit. Bei Felgenbremsen hilft nur korrekte Einstellung und gutes Material, um den Effekt der Feuchtigkeit abzumildern.

Nach einer Regenfahrt lohnt es sich, die Felgen mit einem Tuch rasch abzuwischen, die Bremsen hinterlassen dort einen schmierigen Film. Ein Tipp: nicht zu den billigsten Bremsklötzen greifen – die wirken meist gerade bei Regen schlechter und nutzen sich viel schneller ab.

Wenn du nicht so viel Erfahrung bei widrigen Bedingungen hast: lieber etwas langsamer und vorsichtiger Fahren. Nicht nur wegen der Bremsen – auch ein rutschiger Straßenbelag kann dich in Gefahr bringen.

Vorsicht, Rutschgefahr!

Feuchtigkeit von oben, nasse Blätter auf Straße oder Radweg, Spritzwasser von Autos, tiefe Pfützen: bei widrigem Wetter ist die Gefahr weitaus größer, mit dem Rad wegzurutschen. Besonders kritisch sind Kopfsteinpflaster und weiße Fahrbahnmarkierungen. Dagegen hilft so richtig nur eins: umsichtig und vorsichtig Fahren, besonders in Kurven.

Es gibt Reifen, die mit stärkerem Profil als Winterreifen – wie beim Auto – vermarktet werden, sogar mit Spikes für Schnee und Eis. Für herbstliche Bedingungen ist genug Profil jedenfalls wichtig, vielleicht auch ein etwas breiterer Reifen. Ein beliebter Trick: den gewohnten Druck um ein halbes oder maximal ein Bar reduzieren, um mehr Haftung zu haben. Dabei solltest du aber nicht übertreiben: ein schwammiges Fahrgefühl verbessert die Sicherheit nicht, eher im Gegenteil.

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