Reisen mit dem Rad – die schönsten Touren bei unseren Nachbarn (Teil 1: Polen bis Schweiz)

19. August 2019
Trekking-Rad Fahrraeder

Du überlegst, in Sommer oder Herbst auf Tour zu gehen? Deutschland hat tolle Fernwege - unsere Nachbarländer aber auch. Fünf Tipps für Reisen in Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz.

Du überlegst, in Sommer oder Herbst auf Tour zu gehen? Deutschland hat tolle Fernwege - unsere Nachbarländer aber auch. Fünf Tipps für Reisen in Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz.

Die beliebtesten (und auch schönsten) Radrouten in Deutschland haben wir dir bereits hier im Blog vorgestellt. Die große jährliche Umfrage des ADFC sah diesmal die Weser knapp vor der Elbe - fast alle Spitzenplätze gehen an gut ausgebaute Fluss-Radwege. Aber auch hinter den Grenzen gibt es schöne Routen mit guter Infrastruktur, die meisten haben einen Anschluss ans deutsche Wegenetz. Nicht wirklich Geheimtipps, aber viele sind in der Urlaubssaison nicht ganz so überlaufen wie unsere. Von Polen bis Dänemark: Wir empfehlen neun Touren im nahen Ausland.

Polen: Östlicher Green-Velo-Radwanderweg

Mit rund 2000 Km Länge wurde „Green Velo“ erst kürzlich mit erheblichem Aufwand (auch EU-Geldern) fertiggestellt. Alles ist vorbildlich: in kurzen Abständen Rastplätze, immer überdacht, oft mit Toiletten. Unterkünfte entlang der Strecke sind nach dem Bett&Bike-Prinzip des ADFC organisiert.

Das nordwestliches Ende ist in Elblag nahe dem Frischen Haff und schließt dort an den Ostseeküstenradweg an. Die Route führt durch Masuren mit seinen Seen und Wäldern, dann nahe der Grenze zur russischen Kaliningrad-Exklave. Mehr oder weniger nahe der Grenze zu  Weißrußland, dann der Ukraine geht es nach Süden. „Green Velo“ berührt fünf Nationalparks sowie zahlreiche Schutzgebiete, darunter den berühmten Białowieża-Urwald mit freilebenden Wisenten (Weltnaturerbe).

Auch die Ortschaften sind interessant, besonders die Renaissance-Stadt Zamość (das „Padua des Nordens“; Weltkulturerbe). Es int wenig Verkehr, überwiegend gute Radwegqualität, ab und zu sandige Passagen (keine allzu schmalen Reifen).

Dazu gibt es eine gute Webseite auch in deutschsprachiger Version. 

Tschechien: Sandsteinroute

Diese Route führt durch Böhmen und verbindet die Elbe mit der Neiße, mit jeweils deutschen  Flussradwege. So bietet sich ein Rundkurs an: in Zittau kannst du über den deutschen Fernradweg D4 (Mittellandroute) in Dresden wieder die Elbe erreichen; du könntest aber auch in Schirgiswalde den Spreeradweg ist, Richtung Berlin verlassen. In Tschechien gibt es ein sehr dichtes Netz, hervorragend ausgeschildert. Abgesehen vom Elberadweg ist immer mit kurzen, aber heftigen Steigungen zu rechnen (die höheren Nummern sind eher für MTBs geeignet. Auch die sonstige Infrastruktur für Radfahrer ist ausgezeichnet (Verkehr, Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten, Lokale).

Die Sandsteinroute trägt im tschechischen Radwegesystem die Nummer 21 und ist 85 Km lang. Es werden drei Gebirge gequert: Böhmische Schweiz, Lausitzer Gebirge und Jeschkengebirge; insofern ist man mit gut 1.000 Höhenmetern noch gut bedient. Die Landstraßen sind gut asphaltiert und verkehrsarm. 

Es ist günstiger, an der Elbe zu starten – die Anstiege sind moderater, die Abfahrten steiler. Die Tour startet dann in Hřensko, das du per Fähre vom Elberadweg bei Schöna erreichst.

Eine optimierte Streckenführung bietet das Radreise-Wiki.

Österreich (und Italien): Via Claudia Augusta

Von der Donau ans Mittelmeer – das ist die VCA, eine alte Römerstraße. Sie ist zugleich der einfachste Weg, um die Alpen zu überqueren, und sehr beliebt. Die Infratsruktur rund um die Route ist beispielhaft, so gibt es nicht weniger als sechs Shuttle-Möglichkeiten per Bus, die über die ohnehin nicht allzu schweren Pässe angeboten werden (mindestens 24 Std. vorher anmelden). Von Mai bis Oktober holt dich nach Wunsch ein Bikeshuttle-Rückholservice von Italien nach Donauwörth zurück, wo die VCA beginnt, oder nach München. Die offizielle Website gibt Auskünfte; dort kann auch gebucht werden. 

Die VCA ist fast 1.000 Kilometer lang (Donauwörth-Venedig). In Trento kann man statt nach Venedig auf der südlichen Variante weiterhin im Etschtal bleiben und wird schließlich nach Ostiglia am Po (und zum nahen Gardasee) geführt.

Die „Via“ nutzt fast ausschließlich ohnehin vorhandene Pfade, Straßen und Radwege. Der  Inn- und der Etsch-Radweg sind wundervoll, problematisch ist nur das Stück zwischen Reutte und Imst in Österreich. Dort musst du mehrfach zwischen schwierigen Schotterpisten und stark befahrenen Straßen wählen.

Doch das ständig wechselnde Alpenpanorama entschädigt für alle Mühen. Über den Reschenpass fährst du direkt auf den Ortler zu. Das ganze Vinschgau vom Reschenpass nach Meran auf überwiegend hervorragenden Wegen ist ein Radfahrer-Traum.

Die sehr gute Webseite zur VCA.

Frankreich: EV6 von Basel zum Atlantik

Die EuroVelo-Routen sind ein Projekt des Europäischen Radfahrerverbandes ECF. 16 davon sind im Bau, am weitesten fortgeschritten ist der EV6 vom Atlantik zum Schwarzen Meer. Es liegt an den lokal oder regional zuständigen Stellen, was daraus gemacht wird – und die Franzosen, die eher Nachholbedarf an Radrouten haben, haben viel daraus gemacht.

Die Strecke, fast 1.400 Km, verläuft von Basel fast ausschließlich entlang von vier Wasserläufen: Rhein-Rhone-Kanal, Doubs, Zentralkanal, Loire. Alles ist flach und kindergeeignet, zumal überwiegend auf separaten Radwegen gefahren wird.

Landschaftlich wird die mäandernde Strecke am Doubs sehr hoch geschätzt; über das Loire-Tal muss man nicht viel sagen. Die berühmten Schlösser liegen oft auf Hügeln über dem Fluss – es kann also etwas anstrengend werden, sie sind jedoch für Radfahrer gut ausgeschildert.

Zur Webseite

Zum Roadbook (Rhein-Loire)

Roadbook (Loire bois Nantes)

Schweiz: Mittellandroute – vom Bodensee an den Genfer See

Die Schweiz hat ein dichtes und gut organisiertes Radroutennetz. Die Mittellandroute hat die Nummer 5 und ist am wenigsten bergig: Es geht über 370 Kilometer von Romanshorn nach Lausanne mit 2.800 Höhenmetern (zum Vergleich: die westlich parallel führende Jura-Route von Basel an den Genfer See ist 90 Km kürzer und weist 5.600 Höhenmeter auf). Die Strecke ist gut zu befahren, auch wenn davon fast ein Fünftel (gut gebundener) Naturbelag ist. 

Man braucht schon sehr gute Sicht, um Schweizer Alpenfeeling entwickeln zu können; am Ende gibt es aber doch Alpenpanorama, wenn zum Genfer See abgefahren wird. Schön sind die Blicke auf die Seen, und etliche Städte (Aare, Solothurn). Überwiegend fährst du auf Radwegen, abseits vom Verkehr; es gibt einige verkehrsreiche Stadtdurchfahrten – das macht aber nichts, denn die Schweizer Autofahrer sind velo-freundlich.

Zur Webseite von Veloland Schweiz.

Verwandte Blogs