Sanft und sicher: So bringst du deinem Kind Radfahren bei

2. Juli 2019
Fahrraeder

Zu viel Ängstlichkeit erschwert die Sache, Stützräder ebenso. Mit diesen Tipps geht es leicht und (fast) schmerzlos ...

Es ist fast so aufregend wie die ersten Schritte, und bei manchen gar nicht so lange danach: dein Kind lernt Rad fahren. Das kann sehr schnell und fast schmerzlos gehen, wenn du die erste Grundregel beherzigst: dein Kind sollte es selbst wollen. Darauf müssen Eltern in aller Regel nicht lange warten.

Stützräder – ja oder nein?

Darüber gibt es seit Jahrzehnten erbitterte Diskussionen, die noch heute in Internet-Foren ausgelebt werden. Es gibt längst eine vorherrschende Meinung: nein, bitte nicht! Das wesentliche am Zweiradfahren, die Balance, wird mit Stützrädern nicht erlernt, das Hilfsmittel (oft unerfreuliche billige Alubleche mit schlechten Plastikrädern) vermitteln nur scheinbar Sicherheit. Auch die neuerdings beliebten Halte- und Schubbügel, die von hinten an der Sattelstütze befestigt werden, dienen eher dem elterlichen Sicherheitsgefühl. 

Die Diskussion hat sich mehr oder weniger erübrigt, seit die allermeisten Kids auf einem Laufrad sitzen oder einen kleinen Roller anschubsen, sobald sie gehen können. Gleichgewicht und Gefühl für Kurvenfahrten haben die meisten also schon reichlich, wenn irgendwann die Pedale hinzukommen.

Wie geht es los?

Versuche sollten auf freier Fläche, ohne Verkehr erfolgen. Zum ersten Anfahren aus dem Stand kannst du dein Kind leicht von hinten anstupsen, damit es ins Rollen kommt und Sicherheit gewinnt. Ein bewährter Trick: nebenher laufen und, wenn nötig, mit einem sanften Griff an Schulter oder Nacken Stabilität geben. Sieht komisch aus, klappt aber. 

Ein anderes empfohlenes Verfahren: das Rad mit tiefgestelltem Sattel erst mal wie ein Laufrad benutzen. Dabei sind natürlich die Kurbeln und Pedale im Weg.

Und das Hinfallen? Wird passieren, ziemlich unausweichlich. Wie auch beim Schlittschuhlaufen, Skaten oder Fußball spielen. Es soll nicht zynisch klingen, aber: Kinder fallen viel, und hierbei fallen sie aus geringer Höhe. Die Erfahrung lehrt, dass überängstliche Radfahr-Lehrer die Sache erschweren.

Wann kann es losgehen?

Generelle Angaben sind unseriös, weil die motorische Entwicklung und die Reife überhaupt sich sehr unterschiedlich entfalten. Manche tun es mit 2, andere mit 5. Dass ein gleichaltriges Kind aus der Kita schon fröhlich strampelt, heißt nicht, dass dein Kind es auch können sollte oder gar müsste.

Unterschätzt wird manchmal, dass es nicht um die technische Fertigkeit geht, sondern auch um Aufmerksamkeit und Sicherheit. Ein Kind, das sich leicht ablenken lässt und unvermittelt nach hinten schaut, wird man noch nicht den Gefahren des Verkehrs aussetzen wollen. 

Was ist beim Kinderrad wichtig?

Der große Unterschied zum Erwachsenen: kleine Kindern müssen sitzend mit beiden Füßen leicht den Boden erreichen können. Sonst drohen sie beim Anhalten umzukippen oder vom Rad zu fallen. Das hat natürlich zur Folge, dass sie beim Pedalieren die Beine nicht ausreichend strecken können. Je sicherer dein Kind fährt und vor allem: hält und absteigt, desto höher kannst du den Sattel stellen, um das Fahren zu erleichtern.

Das Kind sollte früh neben dem Rücktritt auch die Handbremse einsetzen, denn schon das zweite Kinderrad hat oft keinen Rücktritt mehr, sondern Kettenschaltung und zwei Handbremsen. Die sollte gewartet und leichtgängig und gut zu greifen sein. Bei besseren Kinderrädern lässt sich die Griffweite einstellen. Überhaupt kannst du an den Bremsen erkennen, ob ein Kinderrad taugt – das ist weit wichtiger als das Design.

Wie fährt mein Kind sicher?

Die Straßenverkehrsordnung hat aus Radfahrersicht fragwürdige Teile. Beim Thema Kinder ist sie eindeutig und vernünftig: bis 8 Jahre müssen sie auf dem Bürgersteig (oder einem baulich abgetrennten Fahrradweg) fahren, ein Erwachsener darf sie dort begleiten. Von 8 bis 10 dürfen sie auch auf die Straße (oder einen dort nur farblich abgetrennten Radstreifen), aber auch weiter auf dem Gehweg fahren.

Bis du dein Kind unbegleitet fahren lässt, wird es dauern. An seiner Seite hast du also jahrelang Zeit, für eine umsichtige und defensive Fahrweise zu sorgen. Es braucht Geduld, bis die Kleinen wirklich eigenständig auf Einmündungen und Ausfahrten achten, bis sie so vorausschauend fahren, dass sie allein losziehen können. Das ist schon mal anstrengend, Kinder wollen sich austoben und sich beweisen.

Wenn dein Kind aufmerksam und sicher fährt, solltest du es übrigens mit 8 tatsächlich mit auf die Strasse lassen – schließlich ist das der Radler-Alltag, der gelernt werden muss. Und nur dort kommt ihr zügig voran. Das ist wichtig, weil das Kind ja die Freude am Radfahren behalten soll. Auf belebten Gehsteigen nehmen Frust (beim Kind) und Ärger (auf Seiten der Fußgänger) zu, wenn das Kind nicht nur im Schritttempo rollen will.

Verwandte Blogs