Nicht lange ärgern: So flickst du dein Fahrrad!

24. Februar 2020
Fahrräder Fahrraeder

Es nervt, klar. Aber seit es Luftreifen fürs Fahrrad gibt, gibt es auch den Platten. Nicht verzagen: mit etwas Übung geht’s ganz leicht.

Es nervt, klar. Aber seit es Luftreifen fürs Fahrrad gibt, gibt es auch den Platten. Nicht verzagen: mit etwas Übung geht’s ganz leicht.

Es kann ein hörbares Zischen sein, mitunter sogar ein Knall. Oder die Luft entweicht unhörbar über Stunden, aber doch unweigerlich. Der Reifen ist platt – Radler-Schicksal seit gut hundert Jahren. Im 19. Jahrhundert wurde das „Vulkanisieren“ von Gummi entwickelt. Damit wurden aufpumpbare Schläuche möglich, und die Rettung bei Löchern gleich mit: ein neues Stück wird mit Gummilösung (eigentlich Vulkanisierlösung) auf den Schlauch geklebt, geht eine feste chemische Verbindung ein und hält (fast) ewig.

Für Geübte bedeutet das zehn Minuten Aufwand plus einmal Händewaschen, wenn sie nicht zusätzliche Zeit mit Aufregen verschwenden. Für andere ist es eine mittlere Katastrophe, die mit Besuchen beim freundlichen Nachbarn oder sogar in der Fach-Werkstatt endet.


Ausbessern statt austauschen

Es gehört nur etwas Übung dazu, zur ersten Gruppe zu stoßen. Das klassische Flickzeug ist seit vielen Jahrzehnten im Prinzip unverändert. Es besteht aus ein paar Reifenhebern aus Kunststoff, einem Flickenset (vorgestanzte Aufkleber und eine Tube Gummilösung). Das Set kommt meist in kleinen Plastikdosen und tut seinen Dienst, die fertig zurecht geschnittenen Flicken sind zu den Rändern hin schön abgeflacht. Online bekommst du größere Platten zum selber Zuschneiden. Klingt rationeller (und ist sicher günstiger), funktioniert auch, kann bei hart aufgepumpten Reifen aber einen fühlbaren Minimal-Schlag bei jeder Reifenumdrehung auslösen.

Gedenkminuten beim Antrocknen

Wie das Flicken geht, dazu gibt es wunderbare Anleitungen im Internet, mit oder ohne Videobegleitung. In einer idealen Welt geben Eltern diese minimale Selbsthilfe-Kompetenz frühzeitig an Söhne und Töchter weiter, die daran meist sogar Spaß haben. Es ist einige Fummelei nötig, auch etwas Kraft, um die Decke (manche sagen „Mantel“) wieder über die Felge zu drücken. Auf die zwei größten Fehlerquellen kann man nicht oft genug hinweisen (die Anleitungen tun es natürlich), deshalb noch einmal:

- NICHT zu früh den Flicken aufdrücken. Ist die Vulkanisierlösung nicht genug angetrocknet, hält der Flicken nicht. Das dauert drei bis fünf Minuten, der Film darf nicht mehr glänzen. (Aufrauhen der Klebefläche auf dem Schlauch nicht vergessen, in den Packungen liegt ein kleines Stück Schleifpapier).

- GRÜNDLICH den Mantel nach eingedrungenen Fremdkörpern absuchen, innen mit den Fingerspitzen, zugleich außen genau hinschauen. Wenn ein kleiner Glassplitter die Suche übersteht, ist der nächste Platten nicht weit


Die Tücken der Pannen-Sprays

Alternativen zum klassischen Flick-Set mit den Gedenkminuten beim Antrocknen gibt es kaum. Selbstklebende Flicken ersparen diese Minuten, halten aber nicht so gut.  Eine zeitlang galten Drucksprays als eleganter Fortschritt: Eine Flasche am Ventil drückt eine von innen dichtende Flüssigkeit in den Schlauch, die vorhandene Löcher (jedoch nur kleine!) schließt und nebenbei den Reifen wieder aufpumpt. Das geht schnell und die Hände bleiben sauber – dennoch sieht man die Methode am Radweg-Rand selten. Sie ist relativ teuer und – wie verschiedene Tests und Berichte zeigen – umso weniger zuverlässig, je größer das Loch ist. Der Fremdkörper, wenn einer im Reifen steckt, muss natürlich trotzdem entfernt werden.

Ausbau oder nicht?

Wenn das Laufrad leicht rausgeht – also nur Mutter oder Schnellspanner, plus Bremse aushängen – geht die Arbeit natürlich leichter von der Hand, weil du den Schlauch ganz herausziehen kannst. Aber schon eine Nabenschaltung hinten oder eine Trommelbremse vorn genügen, um den Aufwand so zu erhöhen, dass es leichter ist, das Laufrad an seiner Stelle zu belassen und um Streben und Schutzbleche herumzuarbeiten.

Vorbeugen? Augen auf, dickere Reifen

Platte Reifen lassen sich nicht verhindern – man kann nur ein wenig aufpassen. Wenn du eine zerbrochene Flasche vor dir siehst (Augen auf in der Nähe von Altglascontainern!), hieße es, das Schicksal herauszufordern, wenn du nicht absteigst. Leider sind die meisten Eindringlinge nicht so offensichtlich.

Verbreitet sind Reifen mit einem verbesserten Pannenschutz („unplattbar“, wie die Werbung sagt, ist natürlich keiner). Dafür gibt es zwei Methoden: ein schwer durchdringliches Spezialgewebe (Kevlar) in der Decke, und/oder eine verdickte Kautschukschicht, damit kurze Eindringlinge nicht bis zum Schlauch durchkommen. Solche Reifen sind teurer und haben womöglich veränderte Rolleigenschaften. Für Viel-Radler sind sie aber eine lohnende Investition.


Eine Frage der Einstellung

Manche Radler fühlen sich von Platten wie von einem bösen Schicksal verfolgt: gern  kommen mehrere kurz hintereinander, ohne erkennbare Ursache, und immer zum ungünstigsten Zeitpunkt. Mysteriöserweise gehen aber wütend geflickte Reifen eher wieder kaputt, bei einer zen-mäßigen Haltung halten sie. Die Praktischen unter uns wischen nebenbei die Felgen sauber und schmieren vielleicht noch die Kette neu – das vermittelt das schöne Gefühl, dem Ärgernis noch etwas Sinnvolles abgerungen zu haben. 

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