Welcher Fahrrad-Typ bist du?

13. Juni 2019

Das Angebot im Handel kann verwirren, und hat sich mit den E-Bikes noch weiter ausdifferenziert. Wir geben Orientierung - welches Rad passt am besten zu dir?

Es geht schon mit den Bezeichnungen los. Tourenrad, Reiserad, Trekkingrad? Das kann, je nach Hersteller, ungefähr das gleiche meinen, oder auch recht unterschiedliche Modelle. Citybike, Stadtrad oder Lifestyle-Rad: auch nicht klarer. 

Die Grundfrage lautet: Sportgerät oder Verkehrsmittel? Ein super-leichter Renner oder ein super-stabiles Lastenrad sind jeweils für ihren Zweck optimal. Bei den meisten Modellen musst du dich nicht so grundsätzlich entscheiden, sie neigen jedoch in die eine oder andere Richtung. Deshalb ist am besten, von deinen Ansprüchen und Zielen auszugehen.

Du möchtest dich entspannt und sicher im Alltag bewegen?

Stadträder, tun, was der Name verspricht: ideal für das nähere Umfeld, einschließlich Einkaufen, Arbeitsweg und schönen Ausfahrten am Wochenende. In diese Kategorie gehört das klassische Hollandrad mit seiner entspannten, aufrechten Sitzposition und gutmütigen Fahreigenschaften. Es steht für ein lässiges Lebensgefühl, aber auch für Qualitätsbewusstsein. Alles mit dem Attribut „City“ sollte solide gebaut sein, Gepäck tragen können und wird meist ohne Kettenschaltung auskommen. Drei oder sieben Gänge in der Nabe reichen, im Flachen ist es auch ohne Schaltung voll alltagstauglich.


Du willst (auch) auf längere Touren gehen?

Trekking- oder Tourenräder sind normalerweise leichter, die Sitzhaltung stärker vorgebeugt. Beides spart Kraft auf längeren Strecken. Der Hauptunterschied zum Stadtrad ist das Getriebe: Sie haben eine Nabenschaltung ab 7 Gängen, typischerweise aber eine Kettenschaltung, also (rechnerisch) 27 Gänge und mehr. Was auf Kurzstrecken und in der Stadt nicht so wichtig ist, brauchst du auf langen Touren unbedingt: eine wirklich breit gefächerte Auswahl an Übersetzungen, bis hoch zu steilen Anstiegen. Heute Standard sind 10 Ritzel hinten, also 30 Gänge. Zu viel? Wenn du noch 40 Kilometer zur nächsten Unterkunft und schon einiges hinter dir hast, brauchst du die ideale Übersetzung für „deinen“ Tritt. Und da sind wenige Prozent Differenz bei der Abstufung sehr wohl wichtig. Natürlich müssen auch Trekkingräder Gepäck aufnehmen können, die Träger werden meist nach Bedarf zugebaut. Räder dieses Typs sind voll alltagstauglich, also auch eine gute Kompromisslösung für Stadt und Tour.

Du möchtest dich (auch) im Gelände austoben?

Das geländetaugliche Mountainbike ist die wichtigste Innovation der letzten Jahrzehnte, viele technische Entwicklungen – Bremsen, Schaltung, Federung – haben von dort ausgehend alle Typen erobert. Das Angebot ist stark gespreizt, es gibt vollgefederte Maschinen für halsbrecherische Abfahrten und Sprünge über Stock und Stein, aber auch leichte, elegante Räder für Kraxeleien aller Art.

Auch Mountainbikes sind als Hybrid für Asphalt und Gelände brauchbar, oft trifft man auf die Bezeichnung „ATB“ (für All Terrain Bike). Viel hängt von der Bereifung ab, auf glatter Straße rollen dicke Stollen nicht gut. Reifen kann man wechseln, es gibt auch da Kompromisslösungen. Wenn du Lust hast, mit deinem Alltagsrad auch mal Geschicklichkeit und Kondition auf unbefestigten Wegen auszuprobieren, ist so etwas eine gute Wahl.

Du willst richtig schnell fahren?

Das klassische Rennrad ist über ein Jahrhundert lang auf seinen Zweck optimiert worden und ein tolles Gerät. Aber heikel konstruiert, empfindlich und ohne gründliches Training kaum zu nutzen. Wenn du nicht wirklich rennsportlich unterwegs sein möchtest, sind Abwandlungen wie das Crossrad oder Gravelbike (der neuere Name dafür) für sich besser. Die sind stabiler, weil (in Grenzen) geländegängig und perfekt für ein Fitness-Training, das auch Alltagsfahrten umfassen kann.

Du willst richtig, richtig schnell fahren?

Am oberen, sportlichen Ende der Räder mit Elektromotor stehen die Speed-Pedelecs (auch S-Pedelecs). Der Motor unterstützt bis 45 km/h (statt bis 25 km/h) und ermöglicht raumgreifende Touren, aber auch rationelle Fahrten. Wenn du überlegst, einen längeren Arbeitsweg ohne Auto zu absolvieren, könnte ein Speed-Pedelec die Antwort sein.

Du spielst mit dem Gedanken ein E-Bike zu kaufen?

Der Markt für E-Bikes wächst rasant, die Maschinen sind ausgereift, die Akkus werden größer und leistungsfähiger. Es gibt sie für fast alle Typen (außer reinen Rennrädern). Trotzdem zögern viele an der Schwelle zur E-Mobilität. Da geht es meist um Gefühle – ist das noch sportlich, bin ich nicht zu jung und aktiv dafür? Wenn du die Idee eigentlich reizvoll findest: probier’s aus! Pedelecs unterstützen nur beim Treten, wie „sportlich“ das ausfällt, liegt nur an dir. Umfragen zeigen, dass Besitzer von E-Bikes öfter und länger fahren. Im Kern erhöhst du einfach deine Reichweite und wahrscheinlich auch deine Aktivität überhaupt. Akku und Anstrengung sind keine Gegensätze.

Zum Schluss ein paar Tipps für den Kauf:

Zwei Räder zu besitzen, ist nicht besonders dekadent (manche haben vier!). Zum Beispiel ein leichtes, flottes Rad für Touren, nach Wunsch mit E-Unterstützung. Und eins zum Einkaufen und nur-um-die-Ecke-fahren.

Probefahren! Das ist sowieso gut, es kann dir auch helfen, den richtigen Typ für dich ausfindig zu machen. Und zwar nicht nur einmal auf und ab vor dem Laden: Einen guten Händler erkennst du (unter anderem) daran, dass er dich ermuntert, eine Stunde zur Probe zu fahren. 

Keine Discount-Käufe! Die Devise „möglichst billig“ zahlt sich bei Rädern nicht aus. Selbst wenn das Rad selbst brauchbar sein sollte - du kannst beim Discounter (oder Online-Händler) keinen Service beanspruchen. Das wird sehr rasch zu Problemen führen, wenn du nicht selbst technisch versiert bist. Aber dann würdest du eh’ kein Billig-Rad kaufen.


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